Camping Guide Engadin

Camping Guide Engadin

Was tun, um den Drang, sich hinters Steuer zu setzen und fremde Orte entdecken, wenigstens ein bisschen zu befriedigen? Um einfach loszufahren und die Zeit mit sich selbst zu geniessen, die man ja so oft vermisst?
Ein verlängertes Wochenende im Camper scheint die Lösung zu sein. Blöd nur, wenn das eigene Fahrzeug, Corona bedingt, immer noch in Mexiko steht.
Mit einem ausgebauten Sprinter von MyCamper waren wir einige Tage im Engadin unterwegs. Zu zweit fuhren wir los, um einen der schönsten Flecken Schweiz, dessen Campingplätze sowie Freizeitaktivitäten für euch zu erkunden. Schon oft besuchten wir das Engadin und nie wurden wir enttäuscht. Mit diesem Camping Guide versuchen wir auch euch dieses Hochtal näher zu bringen. Beginnen wir erst ganz entspannt und gemächlich. Adrenalin wird genügend fliessen. Versprochen!

Guarda: Zurück in die Vergangenheit

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Welches Kind kennt sie nicht? Die Geschichte vom Schellen-Ursli, der mit seiner viel zu grossen Kuhglocke den Winter austreibt. Guarda ist mit seinen 190 Einwohnern ein kleines Bergdorf, etwa zwölf Minuten von Susch entfernt und eben Heimatort dieses legendären kleinen Jungen. Es ist sonnig gelegen, am Südhang des Piz Buin, um nach einem harten Winter möglichst früh die ersten wärmenden Sonnenstrahlen zu erhaschen. Schlendert man verträumt durch die engen Pflasterstein-Gassen, vergisst man die ganze Welt um sich herum.

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Massive Holztüren, mit Blumen geschmückte Fenstersimse und Fassaden, verziert mit Illustrationen alter Geschichten und Sagen, prägen das Dorfbild. Kristallklares Wasser sprudelt aus Brunnen, dessen Wasser man ohne Bedenken trinken kann. Wenn dazu der Hunger plagt, lässt sich in der rustikalen Dorfbeiz Crusch Alba bedienen, mit direktem Blick auf den Dorfplatz, wo auch der kleine Schellenursli seine Kuhglocke schwang.

Guarda entschleunigt. Zeit scheint hier nicht zu existieren. Würden immer noch Ochsen mit Schubkarren durch den Ort getrieben, wäre die Illusion perfekt, sich in einer vergangenen Zeit zu befinden.

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Guarda ist ein beliebtes Ziel für Touristen und ohne Probleme mit jedem Fahrzeug zu erreichen. In Guarda selbst ist Parkieren verboten, denn die schmalen Gassen bieten kaum Platz um zu kreuzen oder zu rangieren. Aus diesem Grund wurde kurz vor dem Dorf ein kostenpflichtiger Parkplatz angelegt, auf dem auch Wohnmobile parkieren können.

Schon gewusst?

Chalandamarz nennt sich der Brauch, am ersten März den Winter mit Kuhglocken auszutreiben. Dabei werden die Glocken meist von Jungen durch die Gassen getragen und möglichst laut geschwungen. Von diesem Brauch handelt auch die Geschichte mit Schellen-Ursli, dem nur ein kleines Glöcklein blieb, um am Brauch teilzunehmen und der sich daher auf eine abenteuerliche Reise begibt, um die riesige Treichel seines Vaters zu finden.

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Geheimtipp:

Guarda ist nicht das einzig ursprüngliche Bergdorf im Engadin. Wer Richtung Österreich reist, dem empfehlen wir einen Abstecher nach Tschlin, um das lokal gebraute Bier und den Dorfkäse zu probieren.

Schweizer Nationalpark: Natur pur

 

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Erfreulich, befindet sich der einzige Nationalpark in der Schweiz nur einen Steinbocksprung von Guarda entfernt. Keine 30 Minuten verbringt man im Fahrzeug. Über zwei Zufahrtsstrassen ist ein Besuch im Park auch mit grösseren Wohnmobilen kein Problem. Hier empfehlen wir die Route über Zernez und den Ofenpass, da die Alternative via Scuol und S-Charl gleich doppelt so lange dauert, denn die Strasse ist streckenweise nicht geteert und ziemlich schmal gebaut. Zudem befindet sich in Zernez die Touristeninformation mit dazugehörigem Museum. Dort kann man bequem den Aufenthalt planen.

Auch wir fuhren Richtung Zernez und entschieden uns für eine Genusswanderung um den Muottas Champlönch, da wir hofften, auf ein Bartgeier-Paar zu treffen, das in dieser Gegend brüten soll. Auch wenn sich die Liste der tierischen Bewohner wie eine Enzyklopädie liest, sollte
man nicht enttäuscht sein, wenn man keinen Luchs, Steinbock, Wolf oder Bären erblickt. Wie in Nationalparks üblich, bewegen sich Tiere hier frei und wild. Eine Begegnung ist daher eher selten. Trotzdem lohnt sich der Besuch des Parks, denn es locken unberührte Natur, türkise Bergseeen, Hochtäler und beeindruckende Berggipfel.

Für jede Fitnessstufe stehen Wanderungen zur Verfügung, die man auch kombinieren kann. Zelten ist nicht erlaubt. Einzige Übernachtungsmöglichkeit innerhalb des Nationalparks bietet die Chamanna Cluozza, eine rustikale Hütte inmitten des wilden Val Cluozza.

Leider hatten wir kein Glück, denn die Bartgeier liessen sich nicht blicken. Die ornithologische Pleite störte uns zum Glück nicht. Erfreuten wir uns an der unglaublichen Landschaft, die mit den lichten Bergföhrenwäldern, breiten Tälern und den darin glitzernden Ova dal Fuorn und Spöl doch das eine oder andere Mal an Alaska erinnerte.

Bitte Spenden:

Der Besuch des Nationalparks ist gratis, doch eine Spende wird gern gesehen. Wer den Nationalpark unterstützen möchte, findet auf dessen Webseite: www.nationalpark.ch weitere Informationen.

Engadin: Nichts für Freisteher

Das Engadin scheint unter Fahrzeugreisenden kein unbekanntes Terrain zu sein. Immer wieder kreuzen selbstausgebaute Vans und Marken-Wohnmobile den Weg. Ein einsames Plätzchen zu finden wird zur Herausforderung, denn leider zwingen Verbotsschilder oft zur Weiterfahrt. Freies Stehen wird nicht gerne gesehen. Verbote sollten zwingend berücksichtigt werden, um nicht noch weitere Einschränkungen zu riskieren. Gut, dass etliche Campingplätze zur Verfügung stehen, die keine Postkarte hätte besser beschreiben können. Ein kurzes Telefonat ist sicher nicht verkehrt, denn auch in der Nebensaison sind die Campingplätze gut besucht. Ist Platz vorhanden, findet man nicht selten eine kleine Oase, um sich frei zu fühlen.

Gut zu wissen:

Grundsätzlich ist freies Stehen in Graubünden erlaubt. Jedoch sollten bestimmte Regeln berücksichtigt werden, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Weitere Informationen finden sich hier. MyCamper hat zudem eine Übersicht über Wildcamping Gesetze in allen Kantonen erstellt.

Camping Chapella: Für Trainspotter

 

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Gleich neben den Schienen der Rhätischen Bahn befindet sich der Campingplatz Camping Chapella, der sich in zwei Ebenen teilt. Die obere befindet sich nahe der Eisenbahnschienen. Der ideale Platz für Trainspotter. Aber keine Sorge, der Zuglärm stört nicht, denn nach 23 Uhr wird der Verkehr eingestellt. Die untere Ebene liegt direkt am Inn und versprüht eine optimale Mischung aus Abenteuerromantik und gemütlichem Zusammensein. Jedoch muss hier auf Strom verzichtet werden.
Ein modernes Waschhaus liegt zentral gelegen und bietet genügend Duschen und Toiletten. Ausserhalb befindet sich der Waschbereich.

Wer auf Internet nicht verzichten kann, stellt sein Fahrzeug auf die obere Ebene, denn für Gäste bietet der Campground gratis Wireless an. Im kleinen Kiosk, der auch als Rezeption dient, kann das Nötigste gekauft werden. Nach einem anstrengenden Tag schmeckt das lokale Bier besonders gut. Frisches Brot und warme Gipfeli liefert der ortsnahe Bäcker auf Vorbestellung. Wem dies nicht reicht, findet in drei Autominuten entfernt die nächste Einkaufsmöglichkeit in S-chanf. Gleich neben dem Kiosk steht eine alte britische Telefonzelle, die als kleine Bibliothek dient. Kinder toben sich auf dem Campingspielplatz aus, während die Eltern sich in einer Jurte entspannen können.

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Wer die sportliche Herausforderung sucht, kann sich auf dem nahe gelegenen Bogenparcour messen oder sich mit Weisswasserkanu und Paddel ins eiskalte Nass des Inn stürzen. Eine Schlechtwetter-Alternative bietet die Kletterhalle Serlac Parc oder die Bowlingbahn in S-chanf.

Gut zu wissen:

Wer sich eine lange Fahrt über den Flüelapass ersparen möchte, nutzt den Autoverlad Veraina, um sein Fahrzeug bequem von Sagliains nach Klosters Selfranga zu transportieren. Über den Campingplatz können sogar vergünstigte Tickets bezogen werden.

Steckbrief Camping  Chapella

AdresseCamping Chapella
Erna & Duri Campell
7526 Cinuos-chel
E-Mailinfo@campingchapella.ch
WebsiteCamping Chapella
Telefon+41 81 854 12 06
Saison6. Juni bis 31. Oktober
Preis für ein Fahrzeug &
eine erwachsene Person
Ab CHF 17.50 pro Nacht
StromAb CHF 2 pro Nacht
HundeCHF 1

Spezielles:

Reservationen sind mit einer Anzahlung von CHF 50 möglich. Zugpassagiere winken freundlich beim Vorbeirauschen.

Fazit:

Mittelgrosser Campingplatz mit schöner Lage direkt am Inn, dem es an nichts fehlt. Moderne Infrastruktur und eine sehr gute Mischung aus Naturerlebnis und Campingplatzfeeling.

Du hast kein eigenes Campingfahrzeug? Hier kannst du das passende Campingfahrzeug für deinen nächsten Ausflug mieten.

Camper mieten

Flowtrails Corviglia: Eine Kugelbahn für Mountainbikes

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Den Camper bei MyCamper zu mieten, bringt den Vorteil, aus über tausend Fahrzeugen zu wählen, welches am besten den eigenen Bedürfnisse entspricht. Für uns war essenziell, dass wir mit unseren Mountainbikes im Gepäck reisen konnten, denn gerade das Engadin gehört zu den besten Plätzen in der kleinen Schweiz, an denen man seinen Körper dazu zwingen kann, so viel Adrenalin wie möglich auszuschütten.

Beladen mit zwei Mountainbikes fuhren wir Richtung St. Moritz, um uns auf den Corviglia Flowtrails auszutoben. Wir empfehlen den Parkplatz der Signalbahn zu nutzen, da dieser einfach zu erreichen ist und auch Platz für grössere Fahrzeuge bietet, was sonst in St. Moritz schnell zum Problem werden könnte.

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Mit der Luftseilbahn erreicht man bequem die Hänge oberhalb von St.Moritz. Wer auf anstrengendes Pedalieren verzichten möchte, nimmt zusätzlich die Standseilbahn nach Corviglia, auf dessen Bergstation sich auch der gleichnamige Flowtrail befindet. Wer sich nicht sicher ist, ob die Trails rund um Corviglia das eigene Können übersteigen, für den befindet sich gleich neben der Bergstation ein kleiner Übungsparcour, um sein Können zu testen.
Die Flowtrails in St.Moritz ähneln einer riesigen Kugelbahn mit hunderten kleinen und grösseren Sprüngen. Achtung: Auch wenn der Trail keine wirklichen Schwierigkeiten bereitstellt, sollte man seine Geschwindigkeit nicht überschätzen, denn sonst landet man schnell in den Steinen.

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Hygiene wird in allen Seilbahnen gross geschrieben. Ohne Maske läuft man hoch.
Corviglia ist Ausgangspunkt vieler Mountainbike Touren, wie z.B. dem technisch anspruchsvollen Suvretta Trail oder dem landschaftlich beeindruckenden Trail durchs Val Bever. Letzterer startet auf über 3000 m. ü. M. Wer kein eigenes Bike besitzt, kann unkompliziert die ganze Ausrüstung an der Talstation der Signalbahn mieten. Je nach Bike starten die Preise bei CHF 45 pro Tag.

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Planung ist das A und O.

Infos um Biketouren zu planen, findet ihr unter www.engadin.ch, www.trailforks.com oder auf www.geo.admin.ch.

Geheimtipp:

Wer auf eine rasante Abfahrt nicht verzichten möchte, den strengen Aufstieg jedoch scheut, dem empfehlen wir die spassige Biketour vom Berninapass über die Alp Grüm nach Poschiavo, um sich anschliessend mit der Rhätischen Bahn wieder zurück transportieren zu lassen. Informationen zur Tour findet ihr unter www.ride.ch.

Val Roseg: Tor zur Gletscherwelt

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Wer auf brennende Oberschenkel, Nervenkitzel und die leider hohen Bahnpreise verzichten möchte, radelt entspannt durchs Val Roseg. Im gleichnamigen Restaurant lässt man es sich anschliessend gut gehen. Unschlagbar ist die Aussicht auf Gletscher, die Hochebene des Val Roseg mit Piz Bernina, dem einzigen 4000er in ganz Graubünden im Hintergrund. Wüsste man es nicht besser, hätte man das Gefühl, mitten in Alaska zu stehen. Wem der Aufstieg von 250 Höhenmetern, verteilt auf sieben Kilometer, immer noch zu viel ist, mietet sich in Pontresina ganz einfach ein E-bike. Preise ab CHF 45 pro halben Tag.

Gut zu wissen:

Mit einer Pferdekutsche reist man noch bequemer hoch zum Val Roseg. Für CHF 32 kann diese in Pontresina gebucht werden. Gerade später im Herbst, wenn sich Lärchen goldgelb färben, wird dies zu einem unvergesslichen Erlebnis!

Camping Morteratsch: Das Basecamp für Bergsteiger

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Nur wenige Fahrminuten vom Val Roseg und Pontresina entfernt liegt der wohl am schönsten gelegene Campingplatz in ganz Engadin. Wäre man 100 Jahre früher hier gewesen, hätte man sein Fahrzeug wahrscheinlich direkt vor dem Morteratschgletscher platzieren können.

Von der Bergsonne braun gebrannt, begrüsst uns der Besitzer und weist sogleich einen Platz zu. In drei Kategorien wird unterschieden: Wohnmobil, Camper und Zelt. Ein Plan hilft, den richtigen Stellplatz zu finden, denn gerade im Dunkeln kann es schnell passieren, dass man sich verfährt.

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Der Campingplatz zählt 250 Stellplätze und gehört damit zum grössten der Region. Trotz der hohen Anzahl Stellplätze, verteilen sich Fahrzeuge und Zelte sehr gut und man fühlt sich nie wie in einem Hühnerstall.

Ein kleiner Campingladen führt ein überraschend grosses Angebot an Lebensmitteln, was einen Einkauf in Pontresina möglicherweise erspart. Vor Ort werden frische Brote und Gipfeli gebacken oder man gibt eine Bestellung für den Bäcker auf.

Die sanitären Anlagen, inklusive Sauna, welches an ein riesiges Holzfass erinnert, sind modern und sauber. Zur Verfügung steht zudem ein Aufenthaltsraum mit Bodenheizung und Fernseher sowie gratis Internet.

Wer nicht gerne kocht, besucht das kleine Restaurant auf dem Campingplatz, welches sich gleich neben der Rezeption befindet.

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Der Campingplatz dient Alpinisten oft als Ausgangsort für Bergtouren wie z.B. die Besteigung des Piz Palü. Hätte man ein Fernglas zur Hand, könnte man die Gipfelstürmer wahrscheinlich sogar vom Stellplatz aus beim Aufstieg beobachten. Wer sich weniger riskant bewegen möchte, wandert zum nahegelegenen Morteratschgletscher oder mietet ein Stand-Up-Paddle und schult sein Gleichgewicht auf einem der beiden kleinen Seen direkt auf dem Campingplatz.

Schon gewusst?

Gleich vor Ort können Gleitschirmflüge gebucht werden, denn der Besitzer ist passionierter Gleitschirmpilot und freut sich, seinen Gästen das Engadin von oben zu zeigen.

Steckbrief Camping Morteratsch

AdresseCamping Morteratsch
Kathrin und Peter Käch
Plauns 13
7504 Pontresina
E-Mailmail@camping-morteratsch.ch
WebsiteCamping Morteratsch
Telefon+41 (0)81 842 62 85
Saisonganzjährig
Preis für ein Fahrzeug &
eine erwachsene Person
Ab CHF 27 je nach Jahreszeit
und Grösse des Fahrzeugs
StromAb CHF 3.50 je nach Jahreszeit
HundeCHF 4

Spezielles:

Beim Restaurantbesuch im Dunkeln unbedingt die Taschenlampe und den Lageplan des Campingplatzes mitnehmen, um sich nicht zu verlaufen.

Fazit:

Grosser Campingplatz mit toller Aussicht. Trotz hoher Anzahl an Stellplätzen hat es genug Platz, um sich zurückzuziehen.

Piz Trovat: Der Berg ruft

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Der Wecker klingelte schon früh. Wir kämpften mit der Entscheidung, unter der warmen Decke hervorzukriechen oder noch ein paar Minuten liegen zu bleiben. Doch es musste sein, denn wir wollten hoch hinaus. Die wenigen Minuten zur Talstation Diavolezza waren schnell zurückgelegt. Die Luftseilbahn brachte uns zügig auf fast 3000 m. ü. M. Wir liessen es uns nicht nehmen, von der Aussichtsplattform des Bergrestaurants Diavolezza die atemberaubende Kulisse in uns aufzusaugen.

Diavolezza könnte kaum schöner liegen. Mit direkter Sicht auf das Berninamassiv, mit Piz Palü, dem mystischen Bianco Grat und unserem Ziel: dem 3100 m. ü. M hohen Piz Trovat, den wir über einen Klettersteig bestiegen hatten. Den Einstieg in die Felswand erreicht man in ca. 24 Minuten und er ist relativ gut markiert. Susanna schluckte zweimal leer beim Anblick der fast senkrechten und 300 m hohen Felswand, die es zu bezwingen galt. Nach einem kurzen Materialcheck kletterten wir los.

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Zwei Routen wurden in den Berg geschlagen. Eine relativ einfache mit Schwierigkeitsgraden von K1 bis maximal K3 und eine zweite sehr viel schwierigere (K5 bis K6) mit überhängenden Abschnitten, die Muskelkraft und Können voraussetzt. Der erste Abschnitt bis zu einer wackeligen Hängebrücke war dank der zahlreichen Metallstufen und Sicherungsmöglichkeiten schnell durchstiegen. Nun folgte der etwas schwierigere Abschnitt mit Kletterstellen bis K3. Bloss nicht nach unten schauen, befindet man sich doch an einer senkrechten Wand, die trotz Sicherungsgeräte keine Fehler erlaubt. Wir konnten es uns aber trotzdem nicht verkneifen, ab und an den Blick Richtung Morteratschgletscher schweifen zu lassen. Nur noch wenige Meter bis zum Gipfel. Es war geschafft. Wir standen oben auf dem Gipfel und liessen uns von der Sonne wärmen, bevor es über einen einfachen Wanderweg auf der Nordseite wieder zurück zur Diavolezza ging.

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Wer sich den Aufstieg über den Klettersteig nicht zutraut, kann diesen Wanderweg nutzen, um von Norden den Piz Trovat zu besteigen. Klettersteige sind auch ohne Bergführer und grundlegendes Wissen über Kletter- und Seiltechnik möglich. Doch ohne Vorbereitung sollte man nie in eine Route einsteigen.
Die Diavolezza wird von Bergsteigern oft als Nachtlager und zur Akklimatisation genutzt. Piz Palü, Piz Cambrena oder Piz Bernina sind bekannte Hochtouren und sollten nur mit entsprechender Ausrüstung, Wissen und Kondition in Angriff genommen werden.

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Gut zu wissen:

Ausrüstung für den Klettersteig kann direkt an der Talstation Diavolezza oder in Pontresina für CHF 25 gemietet werden.

Du hast kein eigenes Campingfahrzeug? Hier kannst du das passende Campingfahrzeug für deinen nächsten Ausflug mieten.

Camper mieten

Camping Maloja! Abgelegenes Indianerdorf

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Nach dem Camping Morteratsch, der doch zu den grösseren Campingplätzen zählt, sollte es nun etwas Kleineres sein. Kurz vor Maloja zweigt die Strasse ab. Ein schmaler, dennoch gut ausgebauter Weg, führte uns entlang des Silsersees direkt vor ein riesiges Tipi Zelt, das den Eingang zum Campingplatz Maloja am Fusse des Piz Margna markiert.

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Freundlich wurden wir vom gut gelaunten Chef empfangen. Nach einer kurzen Musterung unseres Fahrzeugs empfahl er einige Stellplätze, denn nicht überall hat es genügend Platz für den grossen Sprinter. Die Parzellen sind wie Kaskaden in den leicht ansteigenden Hang gebaut. Auffahrkeile, um sein Fahrzeug auszurichten, sind hilfreich, obwohl auf eine möglichst gerade Fläche geachtet wurde.

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Wir entschieden uns für einen Platz nahe des zentral gelegenen Waschhäuschens. Hygiene wird auch hier gross geschrieben und es gibt keine Beanstandungen. Waschbecken und Duschen sind sauber und ausreichend vorhanden. Aussen befindet sich ein kleiner Waschbereich. Einkaufsmöglichkeiten findet man in Maloja.

Direkt am See gelegen bieten sich die Ufer des Silsersees an, um beim Fischen zu entspannen. Wer den Nervenkitzel sucht, fährt an den nahegelegenen Silvaplanersee, auf dessen Oberfläche ein Krieg tobt. Gespickt von Kitesurfern, die um die Böen des Malojawindes, der ständig durch das Bergell bäst, kämpfen. Bei diesem Gewimmel fragt man sich, wie sie es schaffen, sich nicht gegenseitig zu verheddern. Wärmer als 16 Grad wird das Wasser auch im Spätsommer nicht. Gleich neben dem Campingplatz Maloja befindet sich zudem ein Vitaparcour.

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Eigentlich planten wir am Abend einen Abstecher nach Pontresina um unsere Energiereserven mit Capuns DER Engadiner Spezialität aufzutanken. Doch uns wurde versichert, dass wir hier im Campingrestaurant wohl das beste Capuns überhaupt bekommen könnten. Inklusive Lieferservice zum Fahrzeug. Das heimelige Restaurant hielt, was uns versprochen wurde. Alles selbstgemacht und der Chef höchstpersönlich steht in der Küche, um seine Gäste zu bekochen. Ein echter Geheimtipp.

Schon gewusst?

Gleich hinter Maloja beginnt der gleichnamige Pass. Unendliche Serpentinen führen steil ins Bergell hinab. Das perfekte Fotomotiv, um seinen Camper gebührend in Szene zu setzen.

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Steckbrief Camping   Maloja

AdresseCamping Maloja
Pittin & Co
Plan Curtinac
7516 Maloja
E-Mailinfo@camping-maloja.ch
WebsiteCamping Maloja
Telefon+41 81 824 31 81
Saison6. Juni bis 30. September
Preis für ein Fahrzeug &
eine erwachsene Person
Ab CHF 25.75 pro Nacht
StromAb CHF 3 pro Nacht
HundeCHF 3

Spezielles:

Die Hausküche ist definitiv zu empfehlen. Hier wird alles selbst gekocht und das schmeckt man auch. Der Campingplatz Maloja nimmt keine Reservationen an. First come, First served.

Fazit:

Mit Abstand der abgelegenste Campingplatz, der entfernt an ein Indianerdorf erinnert. Auf einer Waldlichtung gelegen und nur einen Steinwurf vom Silsersee entfernt.

Reisehunger gestillt, vorerst.

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Natürlich sind drei Tage viel zu wenig, um klein Alaska zu erkunden. Dank MyCamper war es uns aber möglich, wenigstens etwas den Reisedurst zu stillen. Wie bei jedem Besuch im Engadin, wurden wir auch dieses Mal nicht enttäuscht. Sei es beim gemütlichen Schlendern durch die verschlafenen Bergdörfer, bei den rasanten Abfahrten in St.Moritz oder dem Klettern mit spektakulärer Aussicht auf die gletscherüberzogenen Gipfel des Berninamassivs.

Obwohl wir Wildcamping bevorzugen und auf unserer zweijährigen Reise durch Nord- und Mittelamerika an einer Hand abzählen können, wie oft wir Campingplätze angefahren sind, wurden wir doch positiv überrascht, wie frei man sich auch auf den zur Verfügung stehenden Campingplätzen fühlen kann. Natürlich schätzten wir den Komfort einer warmen Dusche nach einem schweisstreibenden Tag und wo könnte man sich nicht besser inspirieren lassen, als von all den Geschichten anderer Reisenden.

Nun hoffen wir, euch das Engadin für euren nächsten Trip schmackhaft gemacht zu haben. Wir jedenfalls werden zurückkehren, denn es gibt noch so viel mehr zu entdecken und zu erleben. Das nächste Mal vielleicht sogar mit unserem eigenen Camper. Wer weiss?

Du willst noch mehr Inspiration?

Du liebst Wandern und bist auf der Suche nach einem geeigneten Campingplatz inmitten von wunderschönen Wandergebieten? Dann findest du hier die 5 besten Campingplätze für Wanderer.

Zahlreiche exotische und mediterrane Momente am Genfersee erlebst du mit unserem Camping Guide für Montreux Riviera.

Wir wünschen dir eine gute und sichere Fahrt in den Herbst!

Whaleontrail

Whaleontrail

Content Creators

Mit einem selbst ausgebauten Sprinter entdecken Martin Good und Susanna Tarantino die Welt. Für beide sind Fotos die schönsten Souvenirs die man von einer Reise mit nach Hause nehmen kann. Deshalb ist neben Mountainbikes, Splitboards und Trekkingausrüstung eine Kamera immer mit dabei. Seit 2018 sind sie unterwegs und erzählen von ihren kleinen und grossen Erlebnissen. Folge whaleontrail auf Instagram oder besuche www.whaleontrail.ch um dich für dein nächstes Abenteuer zu inspirieren.

2 Antworten zu “Camping Guide Engadin”

  1. Suli sagt:

    Toller Guide mit vielen spannenden Tipps! Vielen Dank!
    Noch ein Geheimtipp: Camping Maloja und Morteratsch sind auf der MyCamper Map ;-)…

    • Miriam Rudin sagt:

      Merci für dein Feedback Suli:) Genau, hier gelangt man zur MyCamper Map: https://mycamper.ch/mycamper-map
      Wenn ihr über MyCamper ein Fahrzeug mietet und im Camping Morteratsch übernachtet, gibt es ein Goodie: Saunabenutzung 2 für 1. Im Camping Maloja gibt es eine Gratispizza nach Wahl =)

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